17
Juli
2011

Küche aufräumen

Der bekannte Schrecken läuft mir den Rücken zum zweiten mal hinunter, als ich die Küche betrete. Benommen vom Schmerz leere ich die Spüle, um sie danach mit heißem Wasser zu füllen.

Ich brauch unbedingt eine Spülmaschine…

Genüsslich springen die Gläser ins Wasser und planschen ein bisschen, bevor sie von harter Hand zurück in die Kälte gerissen werden. Durchgeknetet und gut gesäubert reihen sie sich langsam in einer erstaunlichen Ansammlung aus glänzenden Diamanten ein. Die Warteschlange an Geschirr wird immer kleiner und trocknet nach einem kurzen Bad im schattigen Idyll. Herausgeputzt warten sie auf das weiche Handtuch. Da muss ich sie leider enttäuschen, keine Zeit um jetzt noch alles abzutrocknen. Außerdem fehlt mir ein sauberes Plätzchen. Mit meinen verschrumpelten Händen greife ich nach einem Eimer und den nötigen Putzmitteln unter meiner Spüle. Bewaffnet mit einer Chemiekeule und dem Allheilmittel gegen Schmutz, heißes Wasser, muss sich mir einfach ein Tomatenfleck nach dem anderen ergeben. Ein unbeschreiblicher Schmerz zeiht sich von meiner Hand über den Arm bis hin zur Schulter, als ich den Lappen eintauche. Blitzschnell ziehe ich meine Hand zurück und schüttle sie.

Zu heiß… verdammt.

Entschlossen packe ich den Eimer und fülle etwas kaltes Wasser nach. Prüfend stecke ich zögernd meinen Zeigefinger ins Wasser. Bestätigend folgt der Rest und dreht sich triumphierend im Kreis. Eine kleine Haube aus Schaum bildet sich. So bewaffnet wage ich den Ausbruch und schwinge triumphierend meinen Lappen.

Die Spagetti hätten wohl besser einen Schwimmkurs besucht. In der sich langsam rot färbenden Flüssigkeit haben sie keine Überlebenschance und sinken leichenblass auf den Grund des Eimers. Schweiß tropft mir von der Stirn. Meine Hände fühlen sich an, als würden sie sich bald dem Wasser hingeben und sich einfach in ihm lösen. Kaum vorzustellen, wie es sich ohne Hände leben würde.

Mit letzter Kraft gehe ich meinen Kühlschrank an.

Gähnende Leere und Kälte schlägt mir entgegen. Einzig der Trupp Eier der kurz vor dem Salmonellen-Kollaps steht, kämpft wacker um seine Daseinsberechtigung und dem rettenden Handgriff der sie endlich in die Wärme zieht. Flehend schauen sie mich an. Gnädig greife ich zu und führe sie der leichten Dame zu. In Gedanken grinse ich vor mich hin.

So viele Eier wird selbst die noch nicht auf einem Haufen gesehen haben.

Einem noch leereren Kühlschrank gegenüberstehend, schnappe ich mir den Lappen und denEimer. Jämmerlich versuche ich getrocknete Tomatensoße und Marmeladenflecken zu entfernen.

Manchmal glaube ich, man muss mindestens eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen haben um wirklich effektiv und gründlich putzen zu können. Oft genug erwische ich mich mit dem Gedanken, einfach alles stehen und liegen zu lassen und mir endlich eine Putzfrau zu leisten. Wo Profis gebraucht werden, sollte man auch Profis ran lassen.

Etliche Minuten später glänzt der Kühlschrank zwar nicht wie aus dem Ei gepellt, aber er sieht zumindest einigermaßen danach aus, als ob er dazu in der Lage wäre, mein Essen gesund zu lagern.

Was man vom Rest der Küche nicht behaupten kann. Frisches und vor allem nicht zu heißes Wasser füllt langsam meinen Putzeimer. Man lernt ja schließlich aus Fehlern. Frisch bewaffnet führe ich die vorerst letzte Schlacht in diesem Raum. Putzlappen schwingen wie Schwerter durch die Luft. Jeder noch so kleine Fleck fällt ihnen zum Opfer. Hier und da kommt es zu schwereren Handgreiflichkeiten und lauten Flüchen, aber am Ende muss sich mir doch jeder noch so grausame Gegner ergeben. Mit einem Tomatenfleck an der Wand über meiner Waschmaschine habe ich etwas länger zu kämpfen. Ich rate jedem dazu seine Küche zu fließen. Das erspart ungemein viel Arbeit. So muss ich jedoch feststellen, dass Tomatenflecken auf weiß gestrichenen Wänden nicht so einfach zu bezwingen sind. Verzweifelt und voller Wut im Bauch durchwühle ich mein Chemielager. Irgendwo wird sich schon ein noch unberührtes Kampfmitelchen auftun. Tatsächlich halte ich wenige Wühlversuche später eine Flasche mit scharfem Allzweckreiniger in der Hand. Schon beim öffnen erfasst mich der beißende Geruch. Mein Excalibur der Putzmittel wiegt etwas schwer in der Hand. Dennoch wird, ohne Gewissensbisse, zum ersten Hieb angesetzt. Man sieht dem Fleck förmlich seine Angst in den imaginären Augen an. Entsetzt weicht er Stück für Stück zurück. In eine Ecke gedrängt, fleht er zum letzten Mal um sein Leben, bevor der letzte Streich ihm das Ende bringt. Mit einer gewissen Genugtuung Wasche ich den Lappen und meine Hände unter dem Wasserhahn.

Der Nächste Punkt kann also abgehakt werden.