24
Juli
2012

Endlich. Brunchen!

Wie zu erwarten war, wartet Valerie schon vor der Haustür. Freudig begrüßt sie mich.

„Auch endlich fertig?“ Sie hat echt ein nettes Lächeln.

Grinsend antworte ich: „Das bin ich schon seit heute morgen. Aber für dich halte ich noch ein bischen durch.“

„Wie du meinst.“ Sie zwinkert mir zu und gähnt provozierend in Ihre Hand, was ich aber gekonnt ignoriere.“

„Dann lass uns mal losmachen.“

Sie zieht ihren Autoschlüssel heraus und geht zu ihrem Wagen. Ein kleines rotes Cabrio. Schick anzuschauen und heute scheint auch noch die Sonne. Gespannt darauf, ob wir heute oben ohne fahren werden, stiefel ich ihr hinterher. Sanft drückt Valerie auf Ihren Schlüssel. Von Leichtigkeit beschwingt bewegen sich die Zahnräder im Türrahmen und geben mit einem leisen Knacken die Türe frei. Voller Begierde warten sie darauf, angefasst und hochgezogen zu werden. Sie schreien förmlich nach einer Berührung. Valerie und ich kommen diesem einfachen Bedürfnis nur all zu gerne nach. Die Türen werden aufgezogen und wir setzen uns fast gleichzeitig ins geschlossene Auto. Der Zündschlüssel wird eingeführt und die Zündung angeschalten. Strom durchfließt jeden Schaltkreis in der Elektronik. Ein Knopf in der Mittelkonsole wird von einem Finger angezogen und die Kraft des Stroms ergießt sich über einen Elektromotor, der das Verdeck  im Kofferraum verschwinden lassen soll. Elegant löst es sich von der A-Säule und schwingt sich bedächtig nach hinten. Das Verdeck faltet sich zu einem drittel seiner ursprünglichen Länge und wird dann im Kofferraum versenkt, der sich zuvor ohne Mühen und mit Hilfe eines weiteren Elektromotors geöffnet hatte. Keine 30 Sekunden später sind wir Startbereit.

„So. Schon viel besser. Ist ein Cabrio nicht einfach geil?“ Man merkt Valerie an, dass es ihr ganzer Stolz ist.“

„Es hat schon was. Freiheit. Lebenslust. Wind in den Haaren.“

„Da erinnerst du mich an was.“

Sie beugt sich zu mir rüber und macht das Handschuhfach auf. Eine Hand gleitet suchend hinein und kommt kurze Zeit mit einem Schal wieder zum Vorschein.

„Den brauch ich jetzt, sonst sehe ich nachher aus wie eine Hexe nach einem Ritt auf Ihrem Besen.“

Haare werden nach hinten gelegt. Der Schal wird bedächtig auf das Haupt niedergelassen und an beiden Enden gefasst, einmal um die nach hinten gelegten Haare gewickelt und mit einem Knoten zur Vollendung gebracht. Kaum ist das geschehen, wird der Zündschlüssel weitergedreht und der Motor nimmt seine Arbeit auf.

Der Rückwärtsgang wird eingelegt. Geschmeidig dreht sich Valerie um und bewegt das Cabrio behutsam aus der Parklücke. Die Sonne lacht dabei in mein Gesicht und ich spüre die Wärme auf meiner Nasenspitze. Der erste Gang wird eingelegt und wir brausen davon.

Unterwegs strömt der Wind und die gleisenden Sonnenstrahlen durch unser Haar. Ab und an glaube ich eine Mücke zu spüren. Mein Blick wird von einzelnen, fluffigen Wolken auf tief blauem Hintergrund gefangen. Minutenlang starre ich mit offenem Mund gen Himmel.

„Chrrr“ Verdammt… was zum… „Chrrrrrr“

„Alles ok?“ Werde ich von der Fahrerseite gefragt.

„Chrrr… ja… nein…ach verdammt, hab wohl gerade die Vorspeise gehabt.“

Man sieht förmlich die Fragezeichen über Valeries Kopf aufploppen.

„Nahrhaftes Eiweis in Form einer Mücke.“

Schallendes Gelächter erfüllt die verwirrbelte Luft. Ich kann nicht anders, als selbst in Gelächter zu fallen.

„Chrrr“

„Dann mal guten Appetit!“

„Chrrr… danke…“

Nach ettlichen weiteren Krächzern schaffe ich es dann endlich, die Fliege aus meinem Rachenraum zu entfernen und schlucke sie danach ausversehen runter.

Na leeeeecker…, wohl bekomms‘.

Die restliche Fahrt über sitzen wir entspannt nebeneinander. Ok, ich entspannt mit meinem jetzt geschlossenem Mund und starrem Blick gen Himmel. Valerie eher angespannt und über den Verkehr fluchend mit festem Griff das Lenkrad umklammernd. Ihre Nägel scheinen das Leder schier zu durchbohren. So komme ich mit einem dicken Grinsen und Valerie mit ihrem nicht zerzausden Haar und weniger grinsend in der Stadt an. Ein Parkplatz ist schnell gefunden.

Leichten Fußes schlendern wir an all den Tauben, Menschen und sonstigen Tieren vorbei, die sich wie eine Horde von Fliegen um den besten Kuhfladen der Stadt versammelt haben, auch bekannt als Sonntagsmarkt. Zielstrebig zum Ziel unserer Bruncheslust.

Die Tür öffnet sich mit einem leichten klingeln – heute morgen hätte mir das wohl den Gar aus gemacht, tödliches Kirchturm-Glockeninferno und ich stünde nicht unten, nein ich stünde direkt neben der Glocke – und wir betreten den von Gesprächen durchdrängten Raum…