26
Juli
2011

Bad sauber machen

Aufgequellte Hände. Schweiß auf der Stirn, der sich langsam seinen Weg in die Tiefe sucht. Nasse Socken, die sich danach sehnen in der Sonne zu hängen. Haare die nach der nächsten Dusche schreien.So stehe ich, halbwegs glücklich mit dem geleisteten, in der Küche und bewundere nachdenklich mein Werk. Auf meiner Stirn sind unter dem salzigen Rinnsal kleine Fältchen zu erkennen.

Verdammt. Komm schon. Irgendwo da drin muss doch einfach alles sein. Bisher hattest du doch nie einen Filmriss… Tom, der sich mal wieder an alle Weiber ran gemacht hat. Dennis, diesmal ohne Schildcab. Jule, die wie immer ziemlich heiß war. zwei Unbekannte Freundinnen von Jule… Wie hießen die nochmal?… Dein Namensgedächtnis war echt schon immer scheiße… Mario und seine Freundin Klara. Stefan und sein Kumpel Diego. … Die besten „Freunde“, wenn da mal nicht mehr läuft… Und dieser  Kerl mit dem Mädel. Oh man ich weis nicht ‚mal mehr wie die aussah…

Ok, das dürften so ziemlich Alle gewesen sein. Aber was zum Teufel ist nach der Spagetti-Orgie passiert?  Mir fällt’s einfach nicht ein. Vielleicht sollte ich erst einmal duschen und einen klaren Kopf bekommen.

Die Falten auf meiner Stirn hatten sich noch nicht wirklich gelegt, als sie sich schon auf ihren nächsten Einsatz einstellen mussten. Mit einer hochgezogenen Augenbraue und offenem Mund stehe ich ungläubig vor dem Desaster in meinem Bad. Kein Pflegemittel steht mehr an seinem Platz. Mein Duschvorhang krümmt sich wehrlos am Boden. Um und im Klo spielen Spagetti Toter Mann. Auf dem Boden verteilt liegen die Überreste des Spiegels. Unfassbarer Ärger macht sich in mir breit. Ein lautes „Fuck!“ entfährt mir. „Man, man, man, man, man… Kann man nicht einfach mal feiern ohne das irgendetwas zu Bruch gehen muss. Wenn ich nur wüsste wer…“. Ich schlucke meinen Ärger hinunter.

Hat doch jetzt eh keinen Sinn, du erinnerst dich nicht einmal mehr daran was gestern im Rest der Wohnung passiert ist. Neuer Punkt auf deiner Liste. Abarbeiten.

Mies gelaunt und immer noch verärgert schnappe ich mir die ersten Pflegeutensilien und packe sie in die Dusche. Als nächstes wird der Duschvorhang aus der Tür gepfeffert. Mit dem gewonnen Platz, der bei einem 5qm Bad riesig wirkt, bin ich weitestgehend zufrieden. Die Spagetti im Klo müssen sich dem Strudel aus Tomatensoße und Wasser hingeben, nachdem ich die Spültaste gedrückt habe.  Ein kleiner widerspenstiger Trupp hält aber leider seine Position am Duftspüler, der nur widerwillig ein frisches Arome verbreitet. Vermischt mit dem Geruch von halb verdauter Spagetti Napoli erzeugt dies einen Würgereiz in mir, den ich aber tapfer ignoriere. Mit der Klobürste entferne ich die letzten Reste am Duftspüler. Erneut ertönt der Donner in meinem Spülkasten, schreiende Massen an Wasser ergießen sich auf die Opfer und reisen sie mit sich. Dann Stille.

Die neben dem Klo stehende Scheuermilch ergießt sich nach einem kräftigen Druck aug einem Großteil des WCs. Ein Lappen gibt sich dem Wasserstrahl im Waschbecken hin. Ausgewrungen verteilt er den Erguss auf dem Klo. Mit einer Hand die Nase zuhaltend und mit der anderen in leicht kreisenden Bewegungen die Toilette säubernd, stehe ich gebückt in meinem Bad. Immer wieder unterbrochen vom Reinigen des Lappens findet aber auch dieser Anblick ein baldiges Ende.

Blitzend lacht das Klo den Rest des Inventars an. Beschämt schreien diese förmlich danach auch endlich geputzt zu werden. Ein Schritt zurück und das Unglück hätte fast seinen Lauf genommen. Knapp vor einem Spiegelsplitter setzt mein linker Fuß auf. Nicht auszumalen wo das hätte enden können. Kratzend und flehend ergeben sich die Splitter nach wenigen Sekunden meinem zweiten Offizier, dem Besen, und werden vom Gefreiten Schaufel abgeführt. Beide hatten sich zugegebenermaßen schon ein wenig in der Küche gelangweilt und waren froh über diesen Einsatz.

Weiter geht es mit dem Waschbecken und der Ablage. Wieder spritzt die Scheuermilch. Abermals schwinge ich den feuchten Lappen. Blitzblank lacht auch diese schlussendlich in die Runde. Die Dusche wird schon ganz rot vor Neid. Bevor ich jedoch auch diese Beglücken kann, muss ich zunächst die Cremes, Wässerchen und Parfums auf ihren Platz stellen. In Reih und Glied salutieren sie mir von der Ablage. Froh bald wieder in bequemer Haltung ein Nickerchen halten zu können.

Voller Spannung erwartet mich die Dusche. Je näher ich ihr komme desto aufgeregter wirkt sie. Scheuermilch verteilt sich auf ihr. Mit massierenden Bewegungen rücke ich jeder Fuge der Kachelung auf den Leib. Glückerfüllt bedankt sich die Dusche bei mir mit einem Schwall Wasser.

Na toll. Ich wollte eigentlich erst später duschen…

Ich greife mir den Duschkopf und spüle die Dusche aus.

Anstrengender als man glaubt, aber wieder ein Punkt weniger.