17
Juli
2011

Wohnung aufräumen

Wenigstens spielt das Wetter mir heute keinen Streich. Sonne wärmt meinen ausgelaugten Körper. Ein paar Minuten bleibe ich stehen und genieße die Ruhe mit einer Zigarette in der Hand.

Es geht doch nichts am Morgen über frische Luft, eine Zigarette und die Erinnerungen an gestern Nacht… zumindest die, die ich noch habe. Ok, ein Kaffee wäre noch geil. Nur erst einmal welchen im Haus haben…

Vom ersten Schock erholt und mit Hilfe der Tabletten, welche langsam Ihre Wirkung zeigen, traue ich mich wieder zurück auf den Müllberg, welcher sich Wohnung schimpft. Schon beim betreten überkommt mich ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Wie in aller Welt soll ich aus diesem Desaster einen einigermaßen lebensfreundlichen Ort machen?

Mein Blick wandert durchs Zimmer.

Die Konzertbesucher liegen mittlerweile erschöpft vor meinem Bett und erholen sich von meinem Auftritt. An eine Wand gelehnt wartet eine leichte Dame namens Müllsack auf mich, welche gestern wohl nicht all zu große Kundschaft hatte. In einem Meer aus Tellern und Gläsern strampelt mein Laptop mit seinen letzten Kräften, um nicht unterzugehen. Verwundert erfasst mein Blick wieder das Bett. Entsetzen macht sich auf meinem Gesicht breit. Kaum vorzustellen, wie ich die Nacht in einem solchen Seuchenherd überhaupt überleben konnte. Blutflecken aus Rotwein, deren Ursprung unwillkürlich von den Einschusslöchern der Zigaretten stammen muss, überziehen mein gesamtes Bett. Undefinierbare Flecken, deren Geruch stark an Bier erinnert, verzieren die Ränder meiner Bettlaken. Unter einem Kopfkissen lugt ein Stück BH hervor.

Komisch, ich erinnere mich gar nicht an den Inhalt von diesem Teil.

Neugierig zieh ich das schwarze, mit Spitze verzierte Etwas unter meinem Kopfkissen hervor. Nach einer gründlichen Untersuchung komme ich einfach nicht darauf, wer den hier vergessen haben könnten und lege ihn vorsichtshalber auf meinen Nachttisch. Wohl einer der wenigen Überlebenden des gestrigen Absturzes. Behutsam fange ich damit an, meine Fans der leichten Dame zuzuführen. Ohne Murren und mit etwas Genugtuung über das unverhoffte Geschäft, kümmert sie sich ausgesprochen fürsorglich um Ihre Kundschaft. Als nächstes wird meinem Laptop ein Rettungsring zugeworfen. Erschöpft klammert es sich an meinen Arm und wird dann sanft auf dem Nachttisch abgelegt. Teller und Gläser werden gestapelt und in die Küche geschafft.

Als ich die Küche betrete trifft es mich wie mit einem Hammer vor den Kopf. Fast von den Füßen fallend schaffe ich es gerade noch, halt am Türrahmen zu finden.

Das wird eine heiden Arbeit hier drin.

Tomatensoße klebt an Decke, Fußboden, Tisch, Backofen, einfach überall. Dazwischen liegen und hängen vereinzelte Überreste von Spagetti. Eventuell wäre es doch besser gewesen, meine berühmten Spagetti Napoli gegen ein paar gelieferte Pizzas auszutauschen. Etwas zurückhaltend und mit Zweifeln, ob ich das Chaos überhaupt noch ordnen kann, begebe ich mich in den Raum, der zuvor eine Küche darstellte. In der Unordnung entdecke ich noch einen freien Platz auf meinem Glastisch. Nacheinander ergänzen verdreckte Gläser und Teller den eh schon desaströsen Zustand meiner Küche. Zurück in meinem Schlaf- und Wohnzimmer muss ich eine schwerwiegende Entscheidung fällen. Bettdecken und Kissen entweder versuchen zu retten oder gleich aufzugeben und der Mülltonne zuzuführen. Nach gründlicher Untersuchung der Patienten entscheide ich mich, kurzen Prozess zu machen. Alles wandert auf einen Berg im Flur, wohin sich bereits die erschöpfte Mülltüte zurückgezogen hatte. Mit einem erleichterten Seufzer stelle ich fest, dass die gröbste Arbeit zumindest in diesem Zimmer erledigt ist. Zeit, um den Tatort Küche anzugehen.

Ein Punkt weniger auf meiner Liste.